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Fanø 2008
Papageien und Oktopoden zu Gast in Naumburg
Datum: 16.03.2008

Willkommen liebe Leserinnen und Leser im Drachenjahr 2008.

In diesem Blog gibts gleich drei Ereignisse, über die ich berichten will, zum einen haben wir Zuwachs bekommen und dann möchte ich noch über die beiden Workshops berichten, die ich in meinem letzten Blog Ende Dezember erwähnte, in denen es um lauter bunte Vögel geht und um Lebewesen, die sogar acht Arme haben und das gleichzeitig!

(Papageienversammlung + Video ganz unten im Blog)

(15 Meter lange achtarmige Tierchen namens Oktopoden)

(Unsere neue Azubine bei der Arbeit)



Beginnen wir mit etwas nicht Alltäglichem im Leben einer Interessengemeinschaft einer Randgruppe wie den Drachenfliegern, dem Zuwachs. Wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, wissen, bin ich der Azubi der BLK'ler und ein Ende meiner Lehrzeit ist noch lange nicht in Sicht, nun gibt es noch einen zweiten Azubi, oder besser eine Azubine, sie hat unsere Interessengemeinschaft zum Jahreswechsel mit ihrer Anwesenheit bereichert. 2007 hat sie mit uns schon ein paar Drachenfeste bestritten und dabei ihre Liebe zu diesem Sport entdeckt. Zu unserer alljährigen End-Jahres-Haupt-Versammlung haben wir sie dann feierlich bei uns aufgenommen. Im späteren Verlauf dieser Versammlung wurden auch noch Themen wie die beiden Workshops besprochen, die anschließend in diesem Blog folgen, und dabei speziell die Essensverteilung an unserem Grillabend mit den Teilnehmern. Die Essensverteilung ist bei uns immer ein heikles Thema, da mir nachgesagt wird, dass ich so viel essen würde, ich erinnere mich noch gut daran:

Chef: "...für dich Azubi eine ganze Packung... Und wir anderen teilen uns ein Würstchen."
Azubine: "Ich ess aber keine Würstchen."
Chef: "Um so besser, mehr für uns..."

Da sieht man es mal wieder, noch nicht mal einen Tag dabei und schon die Härte des Azubi-Daseins gespürt, die Ärmste... und was mich angeht:
Ich mit meinem BMI von 19.5... ich kanns gar nicht verstehen, dass die meinen, ich würde viel essen. Lediglich zum Frühstück zwei Brötchen, morgens halb zehn in Deutschland ein weiteres Brötchen, dann ein gut gefüllter Mittagstisch, zum Kaffee ein paar Stückchen Kuchen oder einen dicken Pfannkuchen, zum Abendbrot wiederum drei Brötchen, elf Uhr abends Tee zum Einschlafen. Ach ja, und noch übern Tag verteilt eins, zwei Tafeln Schokolade - Nein, Scherz, ich trink doch keinen Tee zum Einschlafen. So weit bin ich dann doch noch nicht...

Soviel erst mal zu dem Geplauder aus dem Drachenflieger-Nähkästchen und jetzt zu den echten Näharbeiten:

Papageien-Workshop im Januar:

Hier eine kleine Dokumentation, wie so ein Workshop eigentlich abläuft und was es zu beachten gibt bei diesem hochgradig komplizierten und nahtauftrennenden Prozess.

(ein Kakadu)

Es ist im allgemeinem so, dass es den Drachenflieger im Frühjahr auf die Wiese drängt, um sich dort die Langeweile des Winters abzuschütteln und seine neusten Kreationen, die er im Laufe der Winterpause ersonnen hat, auszuprobieren und um damit für die drei folgenden Jahreszeiten Eindruck zu schinden, nur um dann in der nächsten Winterpause sich wieder in zahllosen Bastel-Kellern, -Werkstätten und -Garagen einem neuen Projekt zu widmen. Dies wiederholt sich Jahr für Jahr. Zum Glück. Denn nur so kommen die schönsten Figuren an den Drachen-Himmel. Unser Winter-Bau-Projekt im Winter 2006/07 waren die Robbys, dieses Jahr sind es Papageien und Oktopoden, die in mehrfacher Stückzahl in einem Workshop selbst angefertigt werden. Zunächst die bunten Vögel, auch Papageien genannt.

(ein Papagei)

Nun, wie muss man sich so etwas vorstellen? Eigentlich ganz einfach: Lauter erwachsene Menschen krabbeln am ersten Tag auf allen vieren durch den Raum, am zweiten Tag sitzen sie an den Nähmaschinen und am dritten Tag wird zwar immer noch genäht, aber vieles ist auch schon fertig und man kann erschöpft und stolz auf sein bisheriges Werk zurückblicken.

(Geschäftiges Treiben rund um die bunten Tierchen)

Da die Papageien durchaus sehr groß sind, sind auch einige Teile, zum Beispiel die Seiten, sehr groß. Dafür findet sich dann die einfache Lösung, eine Schablone auf dem Fußboden auszubreiten, die auf Pappe oder Plastefolie aufgebracht sein kann. Dort einfach die Stoffbahn drüber und mit der Schere einmal ringsrum fahren. Geschnitten wird da nichts, der Stoff, aus dem die bunten Träume sind, lässt sich einfacher "reißen" als schneiden, und es geht sehr viel schneller.

(Gemeinsames Teile zuschneiden)

Damit man auch immer in der richtigen Spur bleibt, muss der Stoff irgendwie fixiert werden. Dafür eignen sich hervorragend Türstopper oder Briefbeschwerer. Hat man das gerade nicht zur Hand, nimmt man dann einfach ein paar Flaschen. Damit schlägt man auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, diese Arbeit ist auf Dauer doch ganz schön schweißtreibend, aber mit dem Inhalt der Flaschen ist das erträglich...

(Zuschnittvorlagen mit Flaschenhaltung)

(Unsere Azubine beim Ausschneiden)

Während einige immer noch auf dem Boden rumkrabbeln, haben andere schon mit dem Zusammennähen von Kleinteilen, wie Augen, Schnäbel oder Füße, begonnen. Diese Teile werden nicht auf dem Fußboden ausgeschnitten, nein, dafür gibt es eine viel bessere Methode sich abzumühen, das Heißschneiden mit dem Heißschneider. Wobei ich bis jetzt nur Lötkolben gesehen habe und damit hat das super funktioniert, mal abgesehen von den Massen von Teilen, die damit ausgeschnitten werden müssen und von den giftigen Dämpfen, die dabei entstehen. Aber auch da kann sich der Drachenflieger durch Variabilität auszeichnen, denn die echte Drachenflieger-Nase erkennt die Qualität und die Farbe eines Stoffes am "Geruch", den er beim Heißschneiden entwickelt. Es ist faszinierend, welche Vielfalt sich dabei entwickeln kann.

(Ein Flügel mit Türstoppern)

Das Nähen an sich ist dann wohl der längste Prozess bei der Entstehung eines neuen Kunstwerkes. Man sollte schon einige Erfahrung mitbringen, damit man nicht nur die Teile zusammen bekommt, sondern auch ab und an wieder auseinander, falls man sich mal vertan hat und das linke Auge an der rechten Körperhälfte angenäht hat. Außerdem sollte man ein gutes Augenmaß mitbringen, um die genau geschnittenen Stoffbahnen, die doch mal um ein paar Zentimeter abweichen könnten, wieder auf ein tolerierbares Maß zu vermitteln. Ja man könnte fast sagen, dass, wenn man eine Naht nicht vermitteln musste, irgendwas damit nicht stimmen kann.

(Tapferes Schneiderlein)

(Noch mehr tapfere Schneiderlein)

Oktopus-Workshop im März

Nachdem die bunten Vögel im Januar fertig geworden sind, haben wir Mitte März einen Oktopus-Workshop veranstaltet. Wie bei jedem unserer Workshops findet sich vorher ein fertiges Exemplar, das meist auch aufgeblasen wird, um die Sache anschaulicher zu gestalten, doch bei diesen Oktopoden, ist das nicht möglich, da allein die acht Arme jeweils zwölf Meter lang sind und dann noch der Körper von zwei Metern dazu kommt. Darum bleibt er auf dem Boden liegen und man kann da mal gucken, wo man sich gerade vernäht hat.

(Ein Haufen Oktopus)

(Ein zweiter Haufen Oktopus)

Um das Thema Heißschneiden noch mal aufzuwärmen, so ein Oktopus hat ja Saugnäpfe an seinen Armen, und wir bauen ja alles möglichst originalgetreu nach, also auch die Saugnäpfe. Pro Arm elf Saugnäpfe, acht Arme insgesamt und zehn Oktopoden haben wir zum Leben erweckt. Wer jetzt mitgerechnet hat, ist auf 880 Saugnäpfe unterschiedlicher Größe gekommen. Für fast jeden Saugnapf mussten jeweils zwei Kreise (Innen- und Außenkreis) geschnitten werden. Macht 1760 Kreise... Für 88 Kreise, also einen Oktopus-Saugnapf-Satz, hab ich, nach viel Übung, gut anderthalb Stunden gebraucht, macht bei zehn Tieren fünfzehn Stunden Kreise drehn. - Einfach nur, um mal ein paar Zahlen zu nennen.

(Heißschneiden, eine heiße Angelegenheit)

Wenn man dann mit einem Satz fertig ist, sieht das dann ungefähr so aus. Wie heißts so schön? Loch an Loch und hält doch. Zu schade, dass solche Kunstwerke eigentlich Abfall sind, allerdings vorher noch zum begehrten Fotoobjekt auserkoren werden.

(Loch an Loch und hält doch)

Die Saugnäpfe müssen ja irgendwo dran kommen, und das passiert auf den zwölf Metern Stoff, die hier oben links im Bild ausgebreitet liegen. Aus dieser Stoffbahn werden vier Arme ausgeschnitten, indem erst die Schnittkante mithilfe einer gespannten Schnur angezeichnet wird. Dann wird die Sache fein säuberlich zerrissen und anschließend zusammengerollt, weil es sich so wesentlich leichter handhaben lässt.

(Arme zuschneiden, eine zwölf Meter lange Arbeit)

Der Fortschritt der Näharbeiten wird immer im Auge behalten, würde ich auch machen, wenn gerade an mir rumgenäht werden würde. Aber zum Glück bestehe ich nicht nur aus Luft und einem Haufen Stoff.

(Mehrere Augen sehen auch mehr)

Irgendwann müssen die Arme ja auch zusammengenäht werden (das obere Bild der beiden folgenden) und das passiert hier gerade. Da wird eine Stoffbahn genommen, die beiden langen Seiten aufeinander gelegt und die ganzen zwölf Meter in einer geraden Naht miteinander vernäht. Wer schon mal genäht hat, weiß, es wird alles linksrum genäht und muss dann umgekrempelt werden, damit die Naht, die dann innen liegt, nicht mehr sichtbar ist. Das geht natürlich am schnellsten, wenn man sich soviel wie möglich auf den eigenen Arm fädelt (das untere Bild der beiden folgenden) und dann von oben nach unten wieder alles abzieht. Davon gibts unterhalb des Blogs auch ein Video.

(Saugnäpfe annähen, dauert länger als zuschneiden)

(Arme umkrempeln, das geht am schnellsten und macht am meisten Spaß)

Hier mal ein paar Einblicke in unsere Schneiderwerkstatt. Überall wird fleißig genäht und in der Mitte wird umgekrempelt (das obere Bild der folgenden). Und um so mehr fertig wird, um so mehr muss auch gekrempelt werden (das mittlere Bild der folgenden). Wenn dann alles umgekrempelt ist, wird es wieder bis zur Weiterverarbeitung fein säuberlich zusammengerollt (das untere Bild der folgenden). - Klingt komisch, ist aber so.

(Eine links, eine rechts, zwei fallen lassen - oder war das jetzt Häkeln?)

(Alle bitte mal umkrempeln)

(Endlich sind die Arme fertig...)

Und jetzt nur noch den Kopf mit den Armen verbinden, Waage knüpfen und hoffen, dass alles seinen richtigen Platz gefunden hat. Dann klappts auch mit dem Drachenflieger-Nachbarn. Oder man hat einen schönen Schnürensalat mit seinen eigenen und den Schnüren des Nachbarn, was ja im allgemeinen nicht so toll ist.Um einfach noch mal den Umfang eines solches Oktopusses festzuhalten, hier ein paar Zahlen (Angaben pro Oktopus):

Gefertigte Oktopoden: 10
Verarbeiteter Stoff: 67,5qm
Waageschnur und eingearbeitete Schnüre: 375m
Herkunftsorte der Teilnehmer (Auswahl): Berlin, Hamburg, Magdeburg...

Videos zu den Workshops:
(speichern mit: rechtsklick -> Ziel speichern unter)
Arm auf Arm - 0:19 Minuten - 1,8 MB - 640*480
Papageiengruppe - 0:57 Minuten - 5,3 MB - 640*480

Der nächste Termin, an dem Sie uns, mit Robby, Papagei und Oktopus, erleben können, ist der 01. Mai 2008. Dieses Jahr allerdings nicht wie gewohnt in Flemmingen nahe Naumburg, sondern auf dem Gelände des Mondsees bei Hohenmölsen. Wir freuen uns auf Sie.

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