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Fanø 2008
Naumburger Tageblatt: Ein Frosch an langer Leine
Datum: 02.02.2009

Hier der Zeitungsbericht aus dem Naumburger Tageblatt

VON CONSTANZE MATTHES (NTB), 02.02.2009

NAUMBURG. Der Weg eines Frosches muss nicht zwangsläufig in einen Teich oder an die Wand eines Märchenschlosses führen. Die grünen Amphibien können dank Spinnackernylon und Leine hoch hinaus. Zwei dieser flugfähigen Tiere hocken im Tischtennisraum der Naumburger Jugendherberge. Noch etwas kraftlos. Der Wind fehlt. Die beiden dreieinhalb beziehungsweise zehn Meter hohen Tiere sind Ansichtsmodelle während eines Workshops, zu dem die Burgenlandkiter eingeladen haben.

Bernhard Dingwerth aus Kassel (l.) zeigt Jens Schütte (r.) und Jan Nelkenbrecher den von ihm gebauten Frosch. (FOTO: TORSTEN BIEL )

Die Tischtennisplatten in der Ecke dienen als Fläche, um den leichten Stoff, bekannt vor allem bei den Seglern, zuzuschneiden. An beiden Seiten des Raumes stehen mehr als Dutzend Nähmaschinen. Zwischendrin Jens Schütte und Jan Nelkenbrecher von den Burgenlandkitern sowie Bernhard Dingwerth. Der Kasseler gilt in Deutschland als der bekannteste Drachenbauer. 1994 brachte er seinen ersten Drachen, ein Krokodil, in die Luft. Heute leitet er Kurse im In- und Ausland.

Für den hauptberuflichen Sozialarbeiter ist die Domstadt eine Top-Adresse in der Liste seiner Termine. "Die Teilnehmer sind nicht nur sehr ehrgeizig, sondern arbeiten auf qualitativ hohem Niveau", betont der 54-Jährige. Für den speziellen Kurs einmal im Jahr braucht die hiesige Gruppe der Drachenflieger nicht einmal Werbung zu machen. Mundpropaganda reicht. Es ist der bereits vierte Kurs, an dem 20 Männer und Frauen aus ganz Deutschland teilnehmen. "Wir sind immer sehr schnell ausgebucht und geben den Termin des Workshops meist erst bekannt, wenn er bereits beendet ist", sagt Jan Nelkenbrecher.

Petra Bleyl reiste gemeinsam mit ihrem Mann Michael von Kulmbach an die Saale. Im Gepäck eine Nähmaschine der Marke Pfaff. "Es ist doch schön, den Drachen selbst zu bauen, ihn schließlich steigen zu lassen und mit dem Wind zu spielen", beschreibt die Frau aus Oberfranken ihre Begeisterung für das Drachenfliegen. Neben Fröschen entstehen am Wochenende Clownsfische sowie Schildkröten. Dabei ist es ein weiter Weg, bis einige Quadratmeter Spinnackernylon und einige Meter Schnur tierische Formen annehmen, zu einem stablosen Drachen werden. Zeichnungen und später Papiermodelle bilden die Grundlage. Manchmal zeigen auch aufblasbare Figuren oder Plüschtiere den Weg zur richtigen Form. "Der schwierigste Schritt ist der von einer zweidimensionalen Zeichnung zur dreidimensionalen Gestalt", erklärt Bernhard Dingwerth. Ziel ist, dass jeder Teilnehmer einen fertigen oder fast fertigen Drachen mit nach Hause nimmt.

Dieser dient allerdings auch als Vorbereitung auf Europas größtes Drachenfest, zu dem seit Jahren die Fans auf die dänische Insel Fanø strömen. "Das steht immer unter einem bestimmten Motto. Und diesmal widmet es sich Amphibien und Reptilien", verrät der Kursleiter. In den Norden Europas wird es die hiesigen Drachenfans auch wieder ziehen. Daneben stehen Teilnahmen an Drachenfestivals auf dem Jahresplan. Selbst organisieren die Burgenlandkiter im Mai das Drachenfliegen in Flemmingen, im August das Drachenfest am Mondsee. Trotz dieses Erfolges wird der Kitesport nie alltäglich, wie Schütte bemerkt: "Es ist ein Exotenhobby. Aber wer einmal den Drachenvirus bekommt, bleibt dabei."

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